Elisabeth

Elf Jahre nachdem die Erfolgsgeschichte von Michael Kunzes und Sylvester Levays Musical “Elisabeth” ihren Anfang im Theater an der Wien genommen hat, ist das Stück dorthin zurückgekehrt.

Die Titelrolle der Kaiserin von Österreich wird von Maya Hakvoort verkörpert, die darin bereits ab 1994 bis zur letzten Vorstellung der Wiener Produktion zu sehen war. Pia Douwes hat nicht zuletzt mit ihrer Darstellung Elisabeths in drei Produktionen (Österreich, Niederlande, Deutschland) eine eigene Klasse geschaffen, deren schauspielerisches Niveau nur schwer zu überbieten ist; dennoch überzeugt Maya Hakvoort in ihrer Rolle. Erstaunlich gut interpretiert sie die junge Sissi. Optisch geht Maya Hakvoort zwar nicht mehr ganz als blutjunges Mädchen durch, ihre darstellerische Leistung macht das aber wett. (In der Rolle der ebenfalls recht jungen Lisa in “Jekyll & Hyde” wirkte sie dagegen stellenweise zu erwachsen.) Die alternde Elisabeth profitiert hingegen sogar von Maya Hakvoorts Lebenserfahrung; hier erscheint mir ihre Interpretation heute wesentlich reifer, als ich sie von damals in Erinnerung habe.

Elisabeths Mörder Luigi Lucheni wird von Serkan Kaya gespielt. Der in Deutschland geborene Künstler türkischer Abstammung verkörpert die Rolle anstelle von Thomas Borchert, der sein Engagement wegen einer Verletzung nicht antreten konnte. Dabei macht Serkan Kaya seine Sache sehr gut. Vom Aussehen her paßt er hervorragend in die Rolle, und auch gesanglich ist alles stimmig. Serkan Kayas Lucheni erzählt und kommentiert die Geschichte, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Seine Art der Darstellung ist der Figur Luchenis meiner Meinung nach angemessen.

Der Tod wird in der neuen Wiener Produktion vom Ungarn Máté Kamarás dargestellt, der diese Rolle bereits in seinem Heimatland verkörperte und das Wiener Publikum als Herbert in “Tanz der Vampire” begeisterte. Positiv: Máté Kamarás gibt dem Tod eine eigene Note. (Wie man hört, will er sich mit seiner Interpretation bewusst von Uwe Krögers Darstellung abgrenzen.) Gesanglich wie darstellerisch zeigt Máté Kamarás eine ansprechende Performance, die Bühnenpräsenz eines – hier muss er sich an seinem Vorgänger messen lassen – Uwe Kröger erreicht er aber bei weitem nicht.

Alles in allem macht die Wiener Produktion heute weitaus weniger Eindruck auf mich als vor rund einem Jahrzehnt. Mir fehlen die bewegenden, dramatischen Momente und eine wirkliche Weiterentwicklung des Musicals in dieser Inszenierung, die zwischen Abstraktheit und Kitsch schwankt und damit dem Publikumsgeschmack der Wiener ganz offensichtlich entgegenkommt. So feierte das Wiener Publikum dann “seine Elisabeth” frenetisch, und auch die vielen japanischen Fans zeigten sich begeistert.

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